Some quick reviews of books I recently read. Consider this a book club where only I get to speak. Reviews are always the same language I read the book in.
Stuart Turton: The Devil and the Dark Water
My second Turton after The Seven and a Half Deaths of Evelyn Hardcastle! This one features Samuel Pipps, a Sherlock-like genius in a locked room (mystery). Kept as a prisoner on an East Indiaman ship sailing from Batavia in the 17th century, he relies heavily on his sidekick Arent to solve a very pressing case endangering the lives of all crew and passengers that might involve the devil itself. Stuart Turton likes his whodunnit, he likes his confined setting, and a mélange of genres: historical, horror, detective fiction, all aboard. I found it easier to get into than his first novel and more intriguing. The characters were more accessible and it is a well-executed, thrilling ride though with some lengths here and there. So far my favourite Turton.
„Is that your famous wine cupboard?“
„As much as would fit,“ said Jan. „I have something French that I’d be glad to waste on those wretched taste buds of yours.“
„I’d be glad to have it wasted on me.“

Alain Claude Sulzer: Zur falschen Zeit
Eine Vater-Sohn-Geschichte, eine Suche nach Antworten, ein Leben, dass in dieser Zeit so nicht gelebt werden durfte. Sulzers Roman erzählt zum Einen die Geschichte des 17-jährigen Sohnes, der wissen möchte, wer sein Vater war, was ihn zum Selbstmord trieb. Seine Mutter ist ihm dabei keine Hilfe. So beginnt das Buch und zunächst fand ich den Stil zu bemüht und kam irgendwie nicht richtig rein. Es las sich, wie eine Stilübung, um möglichst literarisch zu klingen. Zum Anderen wird die Geschichte des Vaters in jungen Jahren erzählt. Und ab hier kann man dem Sog des Erzählens nicht entrinnen. Nüchtern, emotional distanziert und dennoch (oder gerade deswegen?) berührend. Die Figuren bleiben allesamt skizziert, Vater wie Sohn, von den Nebenfiguren ganz zu schweigen. Es ist der Entwurf eines zum Scheitern verurteilten Lebens, kein auserzählter Roman. Ich blieb nach dem Lesen mit vielen Gedanken zurück – über das, was gesellschaftlich akzeptiert ist und wie es den einzelnen beengt, was es einem raubt, nicht der sein zu dürfen, der man ist, und wie schnell das Trugbild zusammenbrechen kann, was wir für uns selbst und andere entwerfen. Kann man gelesen haben, muss man aber nicht.

Und wenn ich zu keinem Ergebnis gelangte? Wenn ich am Ende meines Abenteuers so wenig wußte wie heute, würde ich dann kampflos aufgeben? Gegen wen kämpfen, wo nicht einmal Windmühlen zu sehen waren?
Stuart Turton: Der letzte Mord am Ende der Welt
Vom Englischen ins Deutsche übersetzt von
Nein, ihr seht nicht doppelt: nach Turton numero 2 ist hier auch sein Drittwerk mit dabei – und surprise, es ist wieder ein Murder Mystery unter besonderen Umständen. A classic Turton, falls man das zu diesem Zeitpunkt in seiner Karriere sagen darf. Bevor ich zum Inhalt komme, judge ich das Buch by its cover und wow, ist das ein schönes Design! Deswegen musste ich es auch kaufen – und weil der Autor in jedem Fall Lesespaß verspricht. Sofort stürzte ich mich ins Vergnügen. Wie seine Vorgänger ist auch Der letzte Mord am Ende der Welt ist ein echter page turner. Wir befinden uns – wie sollte es anders sein – am Ende der Welt, einer kleinen Insel, die als einzige noch nicht von einem mit fleischfressenden Insekten bevölkerten, allesdurchdringenden Nebel verschlungen wurde, dank der drei Ältesten, den letzten Überlebenden der alten Welt, ihrem Wissen und ihrer Wissenschaft. Ein kleines unbeugsames Dorf (haha) lebt genügsam, fleißig und friedsam und im Einklang – bis eines Morgens etwas Unvorstellbares geschieht. Ich spoilere in Anbetracht des Titels nicht, wenn ich, dramatisch Luft holend, verkünde: ein Mord! Der hat neben seinem Opfer noch einen Rattenschwanz an unschönen Konsequenzen zur Folge und um das Überleben der Menschheit zu sichern, gilt es, diesen Mord in Windeseile aufzuklären. Classic Turton crime-meets-other-genre, in dem Fall SciFi/Endzeit-Szenario. Vielversprechend. Ich hatte die fast 400 Seiten in weniger als 2 Tagen durch, fesselnd war es also durchaus. Die Welt, die der Autor entwirft, ist ähnlich klaustrophobisch und begrenzt wie einst das Anwesen der Evelyn Hardcastle und die Saardam . Stuart Turton hat schon so seine Vorlieben – und glücklicherweise mag ich die auch ganz gerne. Wie lange er dieses Prinzip wieder und wieder, wenn auch leicht abgewandelt, kopieren kann, wird sich noch zeigen. Der letzte Mord am Ende der Welt beginnt zunächst mit einer Einführung der Lebensumstände, der Dorfbewohner, der wichtigsten Charaktere (die wie bei den Vorgängerromanen vorab aufgelistet sind, damit der Leser im Index das who-is-who nachschlagen kann) und kleinen Stolperfallen, die beim wachen Leser kleine Oha-Momente auslösen. So weit, so gut. Neugier geweckt. Bis etwa über die Hälfte war ich auch voll dabei. Dann wurde zu viel mit den zig twists und turns und zu unübersichtlich. Das Ende war schon hart kitschig, ohne spoilern zu wollen. Ich wurde das Gefühl nicht los, das der Autor seine Deadline längst überschritten hatteund alles schnell-schnell zu Ende gebracht werden musste, damit das Buch pünktlich in Druck gehen konnte. Mein Fazit: Viel Potenzial, sowohl an Szenario, als an Charakteren, als an Plot, aber schludrig in der Ausführung, was es leider zu seinem bisher schwächsten Werk macht. Schön ist es trotzdem im Regal. Und sein nächstes Buch werde ich auch lesen.

„Ich habe dich geweckt“, sagt Hui entschuldigend. „Die Geige hat mich geweckt“, erklärt Clara. „Aber du hattest definitiv auch deine Finger im Spiel.“
Stuart Turton, Der letzte Mord am Ende der Welt. Was ein schönes Wortspiel.
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